Die Politik des Fortschritts

Auch diesen Artikel gibt es zum anhören!

“We choose to go to the moon and do the other things, not because they are easy, but because they are hard.”

Das ist nun schon über 50 Jahre her. Aber schon 10 Jahre später waren diese Worte Geschichte. Was als Aufbruch zu den Sternen begann, endet als ein kosmischer Bettvorleger. Eine Sammlung zynischer Sprüche zeugt noch heute davon. Alle fangen an mit “Wir können zum Mond fliegen, aber”.

Der Flug zum Mond war, wie alles, ein Kind seiner eigenen Zeit. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als es galt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Eine Zeit der Träume und Hoffnungen.

Der Glaube an die Zukunft war die Voraussetzung für wagemutige Pläne, für Pläne überhaupt. Es braucht die feste Überzeugung, dass das eigene Handeln die Zukunft positiv beeinflusst. Sonst ist jeder Plan Makulatur.

Aber gleichzeitig darf dieser Glaube nicht blind für die Gegenwart machen.

1972 war John F Kennedy 10 Jahre tot. Der neue Präsident wurde Richard Nixxon, gewählt um den Vietnamkrieg zu beenden der Millionen Menschenleben und Milliarden Dollar kostete. Berühmt wurde er für den Watergate Skandal. Am 7. Dezember 72 verließ der letzte Mensch den Mond. Die Zeiten hatten sich geändert.

Auch in den 70er Jahren gab es Träume. Alpträume.

Der Optimismus der 60er Jahre war verflogen und von seinem Gegenteil ersetzt. Ölkrisen und Umweltverschmutzung prägten das Bewusstsein. Bilder aus den Industrieländern dieser Zeit unterscheiden sich von Bildern aus einiger chinesischer Industrieregionen heute nur durch die chinesischen Schriftzeichen.

Die Zeichentrickserie “Es war einmal, der Mensch” zeigte in 25 Folgen die Geschichte der Menschheit. Sie zeigte, wie sich der Mensch mit seiner Welt und mit anderen Menschen auseinander setzte. Wie Probleme gelöst wurden und einige der größten Plagen der Menschheit von der Welt verschwanden.

Und dann, in der 26. Folge, mit dem Titel “Zukunft” wurde die Welt gesprengt. Aus.

Bis heute sind wir den Extremen von Optimismus und Pessimismus nicht entkommen. Beide blenden Realitäten aus.

Wenn heute in der Politik nur noch kurzfristig gedacht wird, dann deshalb, weil der Glaube an die Zukunft verlorengegangen ist. Wer nicht glaubt, dass sein eigenes Handeln für die Zukunft einen Unterschied macht, der wird nur noch auf die jeweils neueste Krise reagieren.

Es geht nicht darum, den blinden Optimismus der 50er und 60er Jahre wieder aufleben zu lassen. Zu viele Probleme blieben unter all dem Optimismus verdeckt. Es geht um eine Zukunft, die über den Zynismus unserer Zeit hinaus geht. Wir leben in einer Ära des modernen Biedermeier. Hinter jedem Fortschritt wird reflexartig ein versteckter Rückschritt vermutet.

Aber kann das sein?

Wenn es so wäre, dann müssten wir in der besten aller Welten leben. Denn es gäbe nichts zu verbessern. Nicht an der Technologie, nicht an der Politik, nicht an der Wirtschaft, nicht an der Gesellschaft. Denn jede Veränderung ist eine Verschlechterung, selbst wenn sie wie eine Verbesserung erscheint.

Der Widerspruch lähmt. Und gleichzeitig steigen die Spannungen in allen Bereichen.

Die destruktive Kritik am Fortschritt muss der Vergangenheit angehören. Wir brauchen angemessene, konstruktive Kritik. Kritik die den Fortschritt begleitet, aber nicht verhindert. Sie muss sich aber selbst der Kritik unterwerfen. Sie muss selbst versuchen ihre eigenen Annahmen anzuzweifeln und anzuerkennen, wenn sie falsch waren.

Statt Selbstkritik, herrscht heute Selbstgerechtigkeit unter den Kritikern der Gesellschaft. Aber so bringen sie die Gesellschaft keinen Schritt vorwärts. Dem Versuch Unsicherheiten für die Zukunft zu vermeiden, werden ganze Felder von Möglichkeiten geopfert.

Anstatt gezielt Fehlentwicklungen in einem Feld zu isolieren, zu kritisieren und schließlich Verbesserungsvorschläge anzubringen, wird das ganze Feld in Frage gestellt.

Man denke an das flächendeckende Verbot von Fracking. Den Befürchtungen der Grundwassergefährdung kann man auf zwei Wegen begegnen. Das kann durch das Verbot von Giftstoffen in der Fracking-Flüssigkeit und festen Regeln zu deren Überwachung geschehen. Es kann auch durch Verbot von Fracking in Trinkwasserschutzgebieten geschehen.

Aber anstatt ein Problem der Technologie konstruktiv anzugehen, führte die bloße Existenz eines Problems zur Forderung, die gesamte Technologie zu verbieten. Eine Technologie die das Potential hätte, die viel schädlichere Braunkohle in wenigen Jahren abzulösen.

Es ist eine ernsthafte Forderung. Unsere Gesellschaft kann nicht weiter ewiger Selbstblockade existierien, keine Gesellschaft kann das. Längst zeigen sich erste Auflösungserscheinungen. Die präkere Situation der Menschen, die nicht zufällig von der Klientelpolitik der jeweils letzten Krisen profitieren konnten, führt zu einer immer stärkeren Radikalisierung. Denn für sie existiert keine Zukunft, außer der Hoffnung auf die nächsten Krisen und sie sind im Begriff, diese Krisen selbst herbei zu führen.

Lassen wir es nicht dazu kommen.

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