Biogas – oder wie eine Technologie das Land überzieht

Diesen Beitrag gibt es auch zum Hören!

Stellen sie sich vor ein Ingenieur macht einen Vorschlag für eine neue Form der Stromversorgung. Sie verbraucht keine Ressourcen, sie verschmutzt nicht die Luft und hat auch keine besonderen Risiken. Die Technik ist fast vollkommen automatisiert, nur ein paar mal im Jahr muss jemand mit ihr arbeiten. Schauen, ob die Anlage richtig funktioniert, ob sie auch wirklich die Energie aufnimmt und speichert und nichts verloren geht. Die Anlagen sind fast perfekt und arbeiten praktisch von allein. Selbst riesige Anlagen können von wenigen Leuten betreut werden. Ein oder zwei genügen. Die Braunkohle hat ausgedient!

Es gibt nur einen winzigen Nachteil.

Die Anlagen sind wirklich riesig. Titanisch, möchte man sagen. Um die Braunkohle zu ersetzen, brauchen diese Anlagen eine Fläche so groß wie ganz Ostdeutschland – die neuen Bundesländer. Und selbst das wäre knapp. Sie würde ganze Landschaften überziehen, Felder, so weit das Auge reicht. Denn die Anlage braucht Platz um ihre Arbeit für uns zu tun.

Und da wo die Anlage ist, kann kein Mensch leben. Kein Mensch kann die Flächen betreten. Allenfalls schmale Wege und Straßen führten hindurch – mit ein paar Ecken, in denen Menschen leben dürfen. Wo immer die Menschen hingehen, müssen sie zuerst der riesigen Energieanlage entgehen, die jede menschliche Siedlung überall umschließt.

Diese Technik existiert und wir nutzen sie. Wir nennen es “Biogas” und die Anlagen die uns einschließen sind Maisfelder. Biogas ist unglaublich ineffizient. Zehn Hektar Land, der sonst 80 Tonnen Weizen, 100 Tonnen Mais oder 400 Tonnen Kartoffeln produzieren könnten, reichen gerade einmal aus um genug Biogas für einen kleinen 15kW Motor zu liefern – das sind 20 Pferdestärken.

15 Gigawatt, das ist ungefähr die Leistung der Kernkraftwerke, die heute in Deutschland laufen. 15 Gigawatt, brauchen 10 Millionen Hektar Land um die unersättlichen Gasmotoren zu füttern. In ganz Deutschland haben wir aber nur 12 Million Hektar Ackerland.

Die viel gepriesene Alternative ist Biogas also nicht, ganz im gegenteil. Eine Forderung nach einem Ausstieg aus der Biogaserzeugung aus Mais, Zuckerrüben und ähnlichen Ackerfrüchten ist längst überfällig. Im Vergleich zu dem, was die Felder sonst produzieren könnten oder als Biosphäre sein könnten, bringt Biogas viel zu wenig.

Das ist nun kein pauschales Urteil gegen die Biogastechnik. Es gibt viele biologische Abfallstoffe, die als Biogasquelle nutzlich sind. Man denke nur an Fäkalien oder Schlachtabfälle, aber das ist genau der Punkt. Abfälle, nicht primäre Produktion der Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft ist dazu da Teller zu füllen und keine Biogasreaktoren. Oder Benzin- und Dieseltanks, wenn wir schon bei dem Thema sind. Nachwachsende Rohstoffe waren immer eine Illusion. Sie machen nur Sinn, wenn vergisst welche Schäden sie anrichten und welche Zumutung sie für das Ökosystem darstellen. Man denke nur an den vom Baumwollanbau ausgetrockneten Aralsee oder die in Reih- und Glied stehenden Fichtenwälder Deutschlands, die tatsächlich eher Baumplantagen als Wälder sind.

Oder ganz kurz: Hört doch mal auf mit dem Scheiß.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s