Ein Fehlschlag zum Genießen

Am 10. Januar hat die Menschheit etwas neues gefunden. Sie hat einen neuen Weg gefunden, eine Rakete spektakulär explodieren zu lassen:

Als Connaisseur von Raketenabstürzen sortiert man diesen Absturz sofort in die Kategorie der Klassiker, der neuen Klassiker. Gefilmt wurde in pechschwarzer Nacht, unter einer dichten Wolkendecke, weit draußen im Atlantik. Die Rakete steht nicht majestätisch, angestrahlt von Scheinwerfern, auf der Startplattform. Sie startet nicht mit lautem Getöse um dann, dem Genre entsprechend, ihrem unvermeidlichen Ende als Feuerball entgegen zu gehen, wie es Orbital Sciences mit ihrer Antares Rakete so schön vorgemacht hat:

Diesmal ist alles anders.

Die Mission ist schon erfolgreich abgeschlossen, das Raumschiff “Dragon” fliegt im Orbit in Richtung ISS. Zum ersten mal in der Geschichte kann sich der Connaisseur der explodierenden Raketen ganz ohne schlechtes Gewissen und Schadenfreude seiner Leidenschaft zuwenden. Denn was sich hier künstlerisch wertvoll in seine Einzelteile zerlegt hat, ist die erste Stufe der Falcon 9.

Die erste Stufe bringt die zweite Stufe auf die sechsfache Schallgeschwindigkeit und aus der Atmosphäre heraus. Ohne diesen Anschub könnte die kleine zweite Stufe das Raumschiff nicht in den Orbit bringen. Die große erste Stufe ist leider zu schwer, um mit ihren Triebwerken das Raumschiff aus dem Stand auf die nötige Geschwindigkeit zu bringen. Sie ist das teuerste Stück der Rakete und es wäre gut, wenn sie nach getaner Arbeit nicht in Trümmern im Meer versinken würde.

Am liebsten würde man sie in einem Stück wieder am Boden haben, nachtanken und das nächste Raumschiff starten, das stellte sich aber gerade in den ersten Jahrzehnten der Raumfahrt als schwierig heraus. Die Steuerung des komplizierten Rückkehr- und Landemanövers war lange nicht möglich. Schon beim Flug nach oben gab es große Ungenauigkeiten, an eine automatische Landung war kaum zu denken.

Diese Hürden der Steuerung sind heute genommen:

Es kann trotzdem einiges schief gehen:

Diese Raketen sind Testplattformen, so einfach und billig gebaut wie möglich. Diese Rakete musste gesprengt werden, nachdem ein Sensor ausfiel, der bei einer normalen Rakete gleich dreifach vorhanden gewesen wäre.

Bei der Landung mit der richtigen Rakete ging man ähnlich vor. Die erste Stufe ist nach dem Flug ohnehin verloren und somit das perfekte Testobjekt. Die ersten Flüge sollen nur möglichst weich auf dem Meer landen. Das hat funktioniert. Allerdings kippt die Rakete nach der Landung im Wasser um. Eine über 40m große Raketenstufe hat keine Chance das intakt zu überstehen, wenn sie auf möglichst geringes Gewicht getrimmt ist.

Die Rakete braucht also eine feste Oberfläche um zu landen. Die Landeplattform ist improvisiert aus einem Lastschiff, das sonst ohne Antrieb in Schubverbänden geschoben wird. Zusammen mit etwas Technik aus der Erdölindustrie, die sonst dafür sorgt, dass sich Bohrplattformen auf der Meeresoberfläche nicht zu weit vom Fleck bewegen, wird sie zur künstlichen Insel im Meer. Diese Insel ist genau so groß wie ein den Fifa Regeln entsprechendes Fußballfeld.

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So ein Fußballfeld mag groß sein, wenn man darauf steht, aber mit einer Rakete darauf zu landen ist schwierig. Die Geschwindigkeiten und Entfernungen sind groß. Bei den ersten Landeversuchen im Meer erreichte man eine Genauigkeit von +/-10km. Um die überhaupt die Plattform treffen und eine spektakuläre Explosion filmen zu können, musste man diese Genauigkeit stark verbessern. Man baute man Gitterflossen an der Raketenstufe an, die die Steuerung übernahmen und sie funktionierten hervorragend, bis ihnen eine Minute vor der Landung die Hydraulikflüssigkeit ausging. Hilfreicherweise stellten sich die Flossen daraufhin quer, wodurch die Rakete nicht senkrecht, sondern in einem Winkel nach unten fiel. Der Bordcomputer versuchte das bei der Landung mit den Triebwerken zu kompensieren, hatte aber keine Chance.

Beim nächsten Versuch wird alles besser, so hofft man jedenfalls. Gut wäre es, denn die Wiederverwendung der ersten Stufe könnte der Startpreis der Rakete von derzeit ohnehin schon niedrigen Startkosten von etwa $60mio auf unter $30mio senken. (Zum Vergleich: Die Ariane 5 zwar fast die doppelte Nutzlast, kostet dafür aber 170mio Euro pro Flug. Was trotz des schwachen Euros derzeit fast $200mio sind.)

Elon Musk, der Chef von SpaceX, gab sich auf Twitter jedenfalls optimistisch. Beim nächsten Flug werde die Rakete dann hoffentlich aus einem anderen Grund explodieren.

Der Connaisseur in mir hofft mit ihm.

Dieser Blog lebt von der Aufmerksamkeit seiner Leser. Wem er gefällt sollte ihn dringend weiter empfehlen, denn die Motivation zum Schreiben steht und fällt mit dem gelesen-werden. Bitte hinterlasst auch bei Kritik einen Kommentar. Ich weiß, dass mein Schreibstil nicht gut genug ist, wer sagen kann, was sich verbessern läßt, wird ein offenes Auge finden. Man findet mich auf Twitter als @tp_1024 und kann mich unter zaiwodejia@googlemail.com erreichen.

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