Rechnen wir mal: Was tun, wenn uns das Wasser ausgeht?

Seit der Klimawandel aus den Zeitungen nicht mehr verschwindet, gibt es Horrorszenarien überall. Nehmen wir an, es hört auf zu regnen. Alles Wasser für die Landwirtschaft muss herbeigeschafft werden. Woher? Aus dem Meer. Zuvor muss es natürlich entsalzt werden, was genau das ist, was der Regen für uns tut.

Was würde es für die 80Mio Deutschen bedeuten, wenn wir alle Felder mit entsalztem Wasser bewässern müssten?

Wir haben etwa 17mio Hektar landwirtschaftliche Fläche in Deutschland, davon sind 12mio Ackerfläche. Wenn wir die Fläche für Biodiesel und Biogas abziehen, sind es noch etwa 10mio Hektar oder 100.000 Quadratkilometer. Eine Fläche so groß wie Island oder die alte DDR.

Wieviel Regen fällt in Deutschland? Im Osten etwa 500-600mm, im Westen um die 800mm. (Wer in Deutschland gutes Wetter sucht, wird im Osten am ehesten fündig.) Wir beschränken uns hier einmal auf das Niveau von 500mm. Das hat zwei Gründe:
Es rechnet sich leichter und es liegt noch deutlich über der Grenze von 400mm, ab der man klassischen Weizenanbau betreiben kann.

Um Wasser zu entsalzen braucht man Energie. Moderne Verfahren auf Basis der Umkehrosmose haben die notwendige Energiemenge unter 3kWh pro Kubikmeter gedrückt. Es gibt auch vereinzelte Berichte über Verfahren die mit etwas weniger als 2kWh auskommen. Da auch die schlimmsten Horrorszenarien einige Zeit brauchen um real zu werden, gehen wir erst einmal von 2kWh pro Kubikmeter aus.

Für jeden Quadratmeter Ackerland müssten wir also eine Kilowattstunde Strom aufwenden, um ihn für ein Jahr zu bewässern. 100.000 Quadratkilometer sind 100 Milliarden Quadratmeter. Der Strombedarf dafür wären also 100TWh.

Wieviel Strom sind 100TWh? Deutschland verbraucht pro Jahr 600TWh Strom. Es ist viel Strom, keine Frage, aber keineswegs eine astronomische Menge. Die Kosten für die Anlage an sich betragen etwa 50 Cent pro Kubikmeter oder etwa 50 Milliarden Euro zusätzlich zum Strom. Damit würde die Bewässerung aller Felder zwar etwa doppelt so viel kosten wie die Bundeswehr, aber von einem Weltuntergang wären wir recht weit entfernt.

Natürlich kann man über so ein Ergebnis streiten. Was, wenn die 2kWh nicht erreicht werden? Was ist mit den 5mio Hektar Gras und Weideland? Was ist mit importen? Diese Fragen sind hier unwichtig, weil das Ziel eine Abschätzung war und das Szenario vollkommen unrealistsich. Das Ergebnis liefert eine Einschätzung, wie groß das Problem ist. Vor allem beantwortet es die Frage, ob das Problem überhaupt lösbar wäre. Egal ob man nun tatsächlich 50TWh oder 200 TWh Strom bräuchte.

Ich fand das Ergebnis jedenfalls bemerkenswert. Vor der Rechnung hätte ich gedacht, dass es viel mehr Energie für diesen Zweck brauchen würde.

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