Der Hype in der Wissenschaft

Ja, auch in der Wissenschaft gibt es Hypes. Eigentlich kennt man sie nur aus dem Marketing und sozialen Netzwerken, aber tatsächlich findet man sie in allen Lebenslagen, auch der Wissenschaft. Die Wissenschaft ist selbst ein soziales Netzwerk. Es braucht  niemanden zu wundern, dass sie ähnliche Eigenschaften aufweist.

Die Italiener Marco Campani und Ruggero Vaglio haben solche Hypes in der Wissenschaft untersucht und versucht das gängige Modell aus dem Marketing nachzuvollziehen.

Was so ein echter Hype ist, hält sich an das Hypemodell von Gartner:

Der Verlauf dieser Kurve ist rein empirisch, wie man auch an der blumigen Beschreibung sieht. Das wichtigste zeigt die Kurve aber: Ein Hype nie ganz vorbei. Nach dem Hype ist das Interesse an dem Thema nicht völlig weg, auch wenn es meistens nicht mehr das Niveau der Hochzeiten erreicht.

Weniger blumig definieren Campani und Vaglio die Aufmerksamkeit die eine Technologie erhält. Aufmerksamkeit ist die Zahl der monatlich publizierten Paper und Patente zu dem Thema. Aber wie lässt sich der Verlauf der Kurven erklären?

Ein beliebtes Mittel zur Untersuchung solcher Phänomene ist die Logistik Kurve.

Mit ihr kann man nicht nur das Wachstum einer Bakterienkultur bei begrenztem Nahrungsmitelangebot beschreiben, sondern auch den Verlauf von Grundlagenforschung. Ein neues Phänomen wird entdeckt oder ein neues Instrument entwickelt und schon tut sich eine neues Feld in der Forschung auf. Am Anfang ist der Wissensstand bei Null (hier auf der Y-Achse), bis letztlich fast alles Wissenswerte mit diesem neuen Phänomen oder Instrument entdeckt wurde.

Die Zahl der neuen Publikationen zu dem Thema wird am Ende sehr klein sein, weil es kaum noch neues zu entdecken gibt. Am Anfang ist sie auch sehr klein, weil sich nur wenige Forscher mit dem Thema beschäftigen. Die meisten Publikationen gibt es dazwischen, wenn sich eine immer größere Zahl von Forschern über ein Thema her machen, in dem es noch viel zu entdecken gibt.

Aber warum ist nach dem Hype noch nicht alles vorbei? Was soll kommen, wenn alles bekannt ist? Die Anwendung!

Es ist schön und gut die Eigenschaften eines neuen Bauteils oder eines neuen Materials zu kennen. Mit dem neuen Wissen etwas nützliches anzufangen ist aber nochmal ein ganz anderes Feld. Bevor sich Ingenieure mit der Anwendung befassen können, müssen zunächst die theoretischen Grundlagen erforscht und bekannt gemacht werden. Danach gilt für die Ingenieure das gleiche wie für die Wissenschaftler zuvor.

Am Anfang gibt es nur wenige Ingenieure, die sich mit dem Thema befasst haben. Sie veröffentlichen Paper und einige Patente. Andere Ingenieure können aber so schnell nicht hinzu kommen, weil auch sie sich erst einarbeiten müssen. Selbst wenn eine Anwendung entwickelt wurde, müssen erst Produktionsanlagen entwickelt werden. Jede neue Produktionsanlage an sich ist noch einmal wie ein neues Forschungsprojekt.

Und selbst wenn das alles läuft, muss sich erst noch ein Markt etablieren. Damit bleibt die Zahl der Anwendungen erst einmal stark beschränkt und nach all dem Hype um die Grundlagenforschung ist plötzlich nichts mehr von dem neuen Spielzeug der Forscher zu sehen.

Bei Campani und Vaglio sieht das dann so aus:

hype

Um so länger es dauert bis die Grundlagenforschung umgesetzt werden kann, um so tiefer wird das Tal der Tränen nach dem Hype.

In dem Paper untersuchen die Forscher das am Beispiel der Entwicklung von Organischen Leuchtemitterdioden, wo sie den Höhepunkt des Hypes schon überschritten sehen. Noch nicht ganz an diesem Punkt angekommen sind Graphen und Nanoröhren. Auf deren “Verschwinden” aus dem Mainstream der Wissenschaftsberichterstattung werden wir uns in den nächsten Jahren wohl einstellen können.

Quelle:

Marco Campani, Ruggero Vaglio (2014) “A simple interpretation of the growth of scientific/technological research impact leading to hype-type evolution curves” http://arxiv.org/abs/1410.8685

Danke für das Lesen. Bitte hinterlasst einen Kommentar, wie euch der Beitrag gefallen hat. Egal ob positiv oder negativ, konstruktive Kritik lese ich immer gern. Ihr könnt mir auch auf twitter unter @tp_1024 folgen.

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