Ebola ist eine ganz normale Epidemie

Maria A. Kiskowski von der Universität Südalabama hat die Verbreitung der Ebola Epidemie untersucht und mit einem einfachen mathematischen Modell verglichen. Dabei hat sich der Verdacht erhärtet, dass auch Ebola sich an die ganz normalen Spielregeln hält. Auch wenn diese Spielregeln in unterschiedlichen Ländern mit ihren jeweiligen Eigenheiten unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Im Modell besteht die Welt aus einer Reihe von Haushalten, mit einer bestimmten Zahl von Mitgliedern, die entsprechend engen Kontakt zueinander haben. Die Haushalte leben zusammen in einer lokalen Gemeinschaft und die Gemeinschaften machen zusammen die gesamte Gesellschaft aus. Mit jeder Ebene nehmen die sozialen Kontakte ab und entsprechend sinkt die Wahrscheinlichkeit der Ausbreitung auf den höheren Ebenen.

In dem Modell konnte man die Epidemie letztlich nachstellen mit der Annahme, dass ein Haushalt aus 16 Personen besteht, jeder infizierte im Durchschnitt 1,8 Angehörige des Haushalts und 0,55 Angehörige der Gemeinschaft infiziert. Die Haushalte bestehen dort tatsächlich nur aus 6-7 Personen. Die große Zahl kommt wohl dadurch zustande, dass oft mehrere (echte) Haushalte sehr engen Kontakt zueinander pflegen und damit statistisch wie ein einziger Haushalt wirken.

Die entscheidende Frage war aber, weshalb sich die Seuche in Guinea viel langsamer als etwa in Sierra Leone oder Liberia ausbreitete. Des Rätsels Lösungs war die Größe der Gemeinschaften, die regelmäßigen Kontakt zueinander haben. Die langsame Ausbreitung in Guinea konnte im Modell nachvollzogen werden, wenn diese Gemeinschaften dort nur aus etwas 9 “Haushalten” (mit je 16 Personen, also 144 insgesamt) bestehen. In Sierra Leone waren es 25 und in Liberia sogar 51 (808 Personen!).

Die unterschiedliche Größe der Gemeinschaften kommt vor allem durch die stärkere Urbanisierung zustande. Das erhöht aber auch die Zahl der Ansteckungen sobald sich einmal ein Mitglied der Gemeinschaft angesteckt hat, denn innerhalb einer Gemeinschaft wächst die Zahl der Ansteckungen exponentiell.

Wie sich eine Seuche wie Ebola in einem Land als ganzes ausbreitet hängt ganz wesentlich davon ab, die Ansteckung über die Grenzen der Gemeinschaft hinaus zu verhindern. Um so kleiner diese Wahrscheinlichkeit, um so besser sind die Aussichten, dass keine neuen Gemeinschaften angesteckt werden und sich die Seuche tot läuft.

Dieses Resultat zeigt das große soziale Problem einer Seuche. Es ist gerade die menschliche Gemeinschaft und das menschliche Miteinander, dass die Ausbreitung befördert. Um so kleiner die Gemeinschaften in einer Gesellschaft, um so weniger können ihr Seuchen etwas anhaben. Um so kleiner ist aber nicht nur die Fähigkeit effektiv zusammen zu arbeiten. Das beste Verhalten in solch einem Fall ist nicht nur alle Menschen mit der Krankheit zu meiden, sondern selbst noch Menschen die mit Menschen Kontakt hatten, die mit Infizierten zusammenkamen.

Der medizinische Fortschritt und das Verständnis darüber wie sich Krankheiten ausbreiten (und oft auch behandeln lassen), stellt ein kleines Wunder unserer Gesellschaft dar. Denn es durchbricht diese Logik der gesellschaftlichen Abschottung. Nur weil wir diese medizinischen Kenntnisse haben, können wir zum Beispiel das Verhalten der Amerikaner getrost als Hysterie abtun.  Hätten wir sie nicht, wäre diese Hysterie absolut gerechtfertigt.

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