Die nächste Wunderbatterie

Es gibt keine Ankündigung einer neuen Batterie, die ich nicht prinzipiell mit größeren Mengen Sarkasmus überschütten würde. Das liegt vor allem an den vielen immer wieder übertriebenen Versprechungen.

Etwas moderater fällt das bei der Graphen-Manganoxid Batterie aus, die Yanyi Chen et al präsentierten.

Leider wird auch Sarkasmus irgendwann langweilig, weswegen wir über die großspurige Rhetorik von “enormen Energiemengen” einmal hinweg sehen (zumal Chinesen nicht unbedingt das nötige Vokabular für eine ausgewogenere Beschreibung haben).

Die Idee hinter der Batterie liegt darin Mangan(II)ionen zu oxidieren und als MnO2 auf dem Graphen abzuscheiden, was als Kathode dient. Die Anode besteht aus Zink, dazwischen eine wässrige Lösung als Elektrolyt. Das Ergebnis soll eine Batterie mit höherer Kapazität als Lithium-Luft Batterien sein, die aber gleichzeitig sehr standhaft ist. (Lithum-Luft Batteren machen nach etwa 50 Ladezyklen schlapp.)

batterie

Die Batterie soll 10.000 Ladezyklen aushalten, aber nur wenn sie von Anfang an einen  höheren MnO2 Anteil haben, was dann der Kapazität abträglich ist. Die soll in realen Batterien etwa 1kWh pro kg erreichen können, was dem 5-10 fachen einer Lithium Ionenbatterie entspricht.

Graphen ist hier nicht nur das Buzzword, es stellt auch das Substrat dar. Nach den Untersuchungen der Forscher kann das MnO2 nicht nur gut auf dem Graphen abgeschieden werden, der Prozess ist auch weitgehend reversibel, anders als bei der Lithium-Luft Batterie, bei der sich im Laufe der Zeit unvollständig oxidierte Zwischenprodukte anreichern und die Batterie ruinieren.

Warum ich trotz all der mirakulösen Versprechungen so milde gestimmt bin?

Anders als bei den üblichen Versprechungen dieser Art sagt niemand, dass man die Batterie schon in 5-10 Jahren in Großserie herstellen kann. Deswegen ist es prinizipiell erst einmal egal, dass ich nicht weiß welche Qualität das verwendete Graphen hat und ich nicht abschätzen kann, was für einen Preis so eine Batterie wohl hätte.

Ich habe auch nicht so tief recherchiert, wie ich es in so einem Fall normalerweise tun würde. Immerhin scheint es, als hätten die Forscher die relevanten Prozesse beim Ladevorgang eingehend untersucht. Es ist ein Fall jener Technologien die ich im Hinterkopf behalte und beim nächsten mal, wenn ich etwas davon höre eben nicht denke “ach der Unsinn schon wieder”, sondern “ach, davon hab ich auch schon mal gehört”.

Yanyi Chen, Chengjun Xu, Shan Shi, Jia Li, Feiyu Kang, Chunguang Wei (2014) “Manganese reduction/oxidation reaction on graphene composites as a reversible process for storing enormous energy at a fast rate” http://arxiv.org/pdf/1410.4223v1.pdf
Danke für das Lesen. Bitte hinterlasst einen Kommentar, wie euch der Beitrag gefallen hat. Egal ob positiv oder negativ, konstruktive Kritik lese ich immer gern. Ihr könnt mir auch auf twitter unter @tp_1024 folgen.

4 thoughts on “Die nächste Wunderbatterie

  1. Wie gewünscht, ein Kommentar, dass mir der Beitrag gefallen hat. Und der kleinkarierte Hinweis, dass es “standhaft” statt “Standhaft” heißen sollte, meiner Meinung nach.

    • Danke für die Antwort! (Ich kann leider nur sehen, ob jemand den Eintrag gesehen hat. Ob er ihn nach 5 Sekunden weggeclickt hat oder nicht spielt da leider keine Rolle.)

      Im übrigen bin ich der Meinung, dass man Adjektive zur Betonung des Adjektivs auch groß schreiben dürfen sollte. Und ich sage das ganz bestimmt nicht deshalb, weil ich den Fehler andauernd mache …

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