Ist Forschung zu teuer? Ja.

Wenn ein Thema hauptsächlich polemisch diskutiert wird, neigt man sehr leicht dazu, sich der einen Seite anzuschließen und die Argumente der anderen zu vergessen. Aber eines muss man sich immer vor Augen halten: Auch ein polemisch vorgebrachtes Argument kann im Kern ein gutes Argument sein.

Es ist mir selbst schon oft passiert, dass ich nach einer hitzigen Debatte feststellen musste: Mein Argument war korrekt, aber die Form indiskutabel. Im wortwörtlichen Sinn.

Die Diskussion über Forschungsgelder ist so ein Thema. In der Hauptsache läßt sich die öffentliche Diskussion auf zwei Standpunkte eindampfen:

  1. Forschung ist zu teuer, wir können mit dem Geld besseres machen.
  2. Forschung ist viel zu wichtig, wenn überhaupt, dann brauchen wir mehr Geld für die Forschung.

In meinen Augen haben beide Seiten recht. Continue reading

Zwei Gramm Plutonium für Philae

Nun steht es fest, der Landemission von Rosetta, Philae, ist der Strom ausgegangen. Der Landeplatz hat die Sonde vom Sonnenlicht weitgehend abgeschnitten.

“We have 1.5 hours [of sunlight] at less than 1 watt, and 20 minutes of 3 or 4 watts. The lander needs 5 watts to boot….In order to charge the secondary battery, we have to heat it to 0 degrees Celsius. We need about 50-60 watt-hours a day in order to reach 0 degrees and still have daylight left to charge the battery.”

http://elakdawalla.tumblr.com/post/102615327170/philae-update-my-last-day-in-darmstadt-possibly

Die Batterien sind Leer und die Akkus lassen sich nur laden, wenn sie wenigstens 0 Grad Celsius erreichen. Dafür muss man sie mit Strom aufheizen. So weit weg von der Sonne besteht kaum noch eine Chance dafür. Die Solarzellen liefern kaum genug Strom um die Batterien an sich aufzuladen. Aber das Aufheizen macht die Situation weitgehend aussichtslos.

Dabei hätte man die Mission schon am Boden vor diesem Schicksal retten können. Zwei Gramm Plutonium-238 hätte genügt um einen Akku für Jahrzehnte warm zu halten. Neu ist das nicht.

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Rechnen wir mal: Was tun, wenn uns das Wasser ausgeht?

Seit der Klimawandel aus den Zeitungen nicht mehr verschwindet, gibt es Horrorszenarien überall. Nehmen wir an, es hört auf zu regnen. Alles Wasser für die Landwirtschaft muss herbeigeschafft werden. Woher? Aus dem Meer. Zuvor muss es natürlich entsalzt werden, was genau das ist, was der Regen für uns tut.

Was würde es für die 80Mio Deutschen bedeuten, wenn wir alle Felder mit entsalztem Wasser bewässern müssten?

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Der lange Weg hierher

Es gibt Dinge die man anfängt und selbst dann noch weiter macht, wenn merkt, dass es nicht das wird, was man haben wollte. Das hier war der Versuch einen Lebenslauf für eine Bewerbung zu schreiben. (Die Bewerbung ging an den Spektrum Verlag, den ich hiermit herzlich grüße.)

Ein Lebenslauf ist es geworden, nur für ein Bewerbungsschreiben taugt er nicht. Für einen Blog schon. Aber lest selbst.

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Der Geothermie mal richtig einheizen

Die Geothermie gehört zu den klassischen erneuerbaren Energiequellen, aber auch zu denen die wenig genutzt werden. Dafür gibt es zwei Gründe: Die meisten Vorkommen (wie etwa in Deutschland) haben eine sehr niedrige Temperatur nur knapp über 100 Grad, mit der sich nur sehr ineffizient in andere Energieformen umwandeln läßt. Der zweite ist, dass sie erstaunlich langsam erneuert wird.

In weiten Teilen Deutschlands fließen nur etwa 300-500W Wärmeenergie pro Hektar an Erdwärme an die Oberfläche. In den günstigen Gebieten wie dem Rheingraben steigt der Wert auch über 1000W pro Hektar – vor der Umwandlung in Strom. Ein Hektar Land liefert also im günstigsten Fall so viel Erdwärme wie ein Wasserkocher. Wenn man langfristig mehr als diese Leistung entnimmt, ist die Nutzung bereits nicht mehr nachhaltig – auch wenn die Wärmereserve im Gestein natürlich sehr groß ist.

Um so wichtiger ist eine möglichst effiziente Nutzung und um die soll es hier gehen.

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Fukushima ist nicht in Deutschland

Freedom is the freedom to say that two plus two make four. If that is granted, all else follows. [George Orwell]

Ich beginne diesen Post mit Sicherheit pompös. Aber es ist eine einfach Wahrheit. Man muss die Freiheit haben, das offensichtliche zu sagen. Die Überschrift widerspricht jenem Dogma der Kernkraftgegner auf deren Plakaten geschrieben steht “Fukushima ist überall”.

Nein. Fukushima ist eine Provinz in Japan. Einem Land am anderen Ende der Welt, mit einer Gesellschaft über die man hierzulande oft den Kopf zu schütteln pflegt.

Nach dem Unglück von Fukushima Daiichi hieß es in den Medien sofort, Japan ist ein modernes Land mit modernen Kernkraftwerken. Der Unfall beweise, dass ein solches Unglück in jedem Land vorkommen kann. Aber worauf beruht diese Behauptung über ein Land mit einer uns völlig fremden Gesellschaft am anderen Ende der Welt? Sicherlich haben diese Journalisten ihre Hausaufgaben gemacht und haben recherchiert.

Sicher?

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Der Hype in der Wissenschaft

Ja, auch in der Wissenschaft gibt es Hypes. Eigentlich kennt man sie nur aus dem Marketing und sozialen Netzwerken, aber tatsächlich findet man sie in allen Lebenslagen, auch der Wissenschaft. Die Wissenschaft ist selbst ein soziales Netzwerk. Es braucht  niemanden zu wundern, dass sie ähnliche Eigenschaften aufweist.

Die Italiener Marco Campani und Ruggero Vaglio haben solche Hypes in der Wissenschaft untersucht und versucht das gängige Modell aus dem Marketing nachzuvollziehen.

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